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Donnerstag,
7.7. |
Were rolling!
Den ganzen Vormittag hat es geregnet, jetzt reißt der Himmel auf. Zum sechsten Mal machen wir uns auf eine große Radreise - und diesmal ist der Plan so ehrgeizig, dass wir ihn uns selbst nur in ehrfürchtigem Konjunktiv aufsagen. Obwohl gut vorbereitet und erwachsen - sollte man meinen - kommen wir uns doch so vor wie im Märchen von Peter und dem Wolf: Hinter dem Gartentor beginnt die Welt. Dieser Bericht - wie auch die Vorigen -ist die Abschrift des Tourtagebuchs - kein Tag kennt den Morgigen. Nun denn: Ziel heute ist Wetzlar über Dillenburg. Obs klappt? Na klar hats geklappt. Im Amadeus in Dillenburg hat uns Hülya eine Zwischenmahlzeit gebracht (Na was - Spaghetti natürlich) und über Herborn und Sinn mit seiner Glockengießerei (seit 1540) haben wir Wetzlar erreicht. Da, wo die Oberstadt am höchsten ist, haben wir den Wetzlarer Hof gefunden - inklusive Spanferkel zum halben Preis. Ab Morgen werden wir was weniger essen! |
73 Km
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Freitag,
8.7. |
Durchwachsenes Wetter (und das soll auch so bleiben, sagen die Frösche). Gestern hatten wir ja Glück. Zehn Minuten mit Regencape sind ja nicht der Rede wert.
Gleich nach dem Frühstück 11% rauf nach Büblingshausen sind ein Wort. Über Langgöns - im dortigen Gemeindehaus waren anno 96 die Proben für den Anhalter - geht es nach Butzbach. Die Eisdiele in der schönen Altstadt hat offenbar einen Knopf unter der Theke: den drücken sie und es donnert ordentlich. Daraufhin retten sich vorbeikommende Radfahrer hinein, bestellen sich Eis und wundern sich, warum es nicht regnet. Gute Idee. Ab und zu drückt der Sattel und Susi meint, man müsse den P-RAM löschen können (hallo Micha :-). Weiter über Bad Nauheim mit den vielen Gradierwerken/Salinen, das im Krieg unzerstörte Friedberg, durchs Niddatal nach Bad Vilbel. Wenn man die Wetterau nur von der A7 kennt, ein Aha-Erlebnis. In Bad Vilbel sind gerade Festspiele in der Burgruine aber wir finden Unterkunft im Fahrradfreundlichen Hotel Kreilings Höfchen. (Na gut: Die Leuchtreklame sagt Kreilings Höfchen ...) |
77 Km
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Sonnabend,
9.7. |
Hinter Bad Vilbel durch den Wald, den Taunus hinauf und hinunter nach Frankfurt am Main. Entlang des Ostparks, über die Flößerbrücke, am Mainufer bis zur Bürostadt Niederrad. Der Golfklub Frankfurt, das Waldstadion, das nicht mehr so heißen darf, ausgedehnte Parkplätze und Hightech-Bedarfsstraßen mitten im Wald. Ein gepflegter Radweg zum Langener Waldsee (der eigentlich Sehringgrube nach dem gleichnamigen Kiesunternehmen heißt), und wir sind in Buchschlag. Da geben die Dreieichhörnchen ein Fest und Schwager Kalle gleich noch ein Zweites. Was will man mehr? Ach ja: Jakob und Henriette haben ihren noch sehr jungen Wortschatz um ICE bereichert, weil Papa damit reist. Das bleibt hängen und bringt sich in Erinnerung, sobald auf unserer Tour so ein Zug an uns vorbeirauscht.
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32 Km
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Sonntag,
10.7. |
Heute reisen wir in Begleitung. Schwester Franzi radelt mit: über die B47 - fast wäre es die Autobahn geworden - nach Offenbach und weiter am Mainufer entlang nach Seligenstadt mit der Kaiserpfalz und der Einhardsbasilika (fehlt da ein R?). In Bürgel machen wir Rast unterm Weinlaub, denn es wird ganz schön warm. Schön auch, wie der Fluss bevölkert ist: mit Ruderern, Schwimmern, Kapitänen kleiner und großer Schiffe - und am Ufer Zwei- und Vierbeiner mit und ohne Räder ....
Die Familie nimmt Franzi im Auto mit nach Hause und wir reisen weiter bis Aschaffenburg, wo wir das gute und preiswerte Hotel Central finden. Im Domus, genauer im Garten desselben, gibts zur Belohnung Angusrind. |
67 Km
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Montag,
11.7. |
Nicht immer wissen wir morgens, wo wir abends landen werden - aber heute! Der Schwan in Wertheim ist schon reserviert. Am Alpenrand regnet es - aber wir sind ja am anderen Ende von Bayern. Rast in Miltenberg beim Singenden Gastwirt Julian Berg. An der Schleuse Faulbach, erbaut 1934, entdecken wir Spuren des NS-Emblems, das man zwar weggeschlagen, aber doch nicht ganz zum Verschwinden gebracht hat.
Der Schwan war noch besser als beim letzten Mal. Eine Juniorsuite und Bocksbeutel-Riesling von Schlör zum Lengfischfilet. Wunderbar. |
78 Km
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Dienstag,
12.7. |
Ins Taubertal. Vorher kaufen wir uns noch diese peinlichen Radlerhosen. Nach einer Weile finden wir sie aber gar nicht mehr peinlich sondern fragen uns, wie wir es bisher Ohne ausgehalten haben. Rast in einem malerischen Gartenlokal in Gamburg. In Tauberbischofsheim ein preiswertes Hotel. Nebenan steht St. Lioba, die fleißig läutet. Eine Nacht in der Glockenstube, sozusagen. Wir waren heute ziemlich bequem. Bis Rothenburg ob der Tauber wären es morgen 90 Km. Ob's dafür reicht?
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32 Km
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Mittwoch,
13.7. |
32º im Schatten. Das erste Eis schon in Bad Mergentheim. Das Deutschordensmuseum müssen wir uns unbedingt ein andermal ansehen.In Weikersheim gibt's Leberknödelsuppe und eine kompetente Schloßführung. Im Schloßhof bezieht gerade "La Traviata" Quartier. Wir bestaunen den dicken Grafen Wolfgang II, Wohltäter, Fresssack und Alchimist. Außerdem den Kalkschneider Schmidt und den falschen Goldmacher Pohlheim, den der Schmidt im Suff erstochen hat. Im Schloß residiert auch das Studienzentrum Weikersheim, 1979 von Filbinger gegen die "Kulturrevolution" der 60iger gegründet. Ob da in späteren Zeiten mal ein Fremdenführer drüber sprücht? (Tippfehler, aber wir wollen ja nach Berlin ;-). Nicht zu vergessen die Musikakademie.
In Greglingen haben wir das Hotel Eisenhut angerufen - "D a müsst ihr wohnen", hat Toni gesagt - wohl wissend, dass es noch ein ordentliches Ende zu fahren sein würde. Aber siehe da: Die Kräfte reichten, insbesondere für den finalen Aufstieg zur Reichsstadt Rothenburg. Das Hotel Eisenhut - der Empfang war vom 12.-16. Jh. eine Privatkapelle - hielt ein Zimmer mit Luxusblick und ein elegantes Mahl auf der Terrasse bereit. So lässt sich leben. Wir haben uns auf die sprichwörtliche Schulter geklopft, schließlich war dies der erste "Gipfel". Dieses war die erste Woche und morgen geht es mit der Altmühl zu Tal Richtung Donau. |
71 Km
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Donnerstag,
14.7. |
Rothenburg-International. Menschen aus aller Herren Länder wimmeln durch die Gassen. Schön; eine Besichtigung en détail heben wir uns aber für die Nebensaison auf. Zunächst mal geht es bei großer Hitze heftig bergauf nach Wachsenberg. Danach ein schöner Waldweg bis in die Nähe der Altmühlquelle. Bei Hornau stoßen wir dann auf die junge Altmühl. In Colmberg gibt's für jeden ein Schnitzel und einen Liter Apfelschorle - es ist Hochsommer. Auf der Straße weiter bis Leutershausen. Dann Altmühlradweg nach Herrieden mit dem Storchenpaar auf dem Stadttor. Eis und noch mehr Apfelschorle. Eigentlich wollten wir hier Feierabend machen, aber der Hafer sticht uns und wir gehen Gunzenhausen am Altmühlsee an. Abendstimmung in Ornbau. Der Altmühlsee ist von Menschenhand gemacht und erinnert an holländische Wasserbaukunst: Das Umland liegt bis zu 3 Metern unter dem Wasserspiegel. das Staubecken wurde von 1976-1985 errichtet. Um 8 nach 8 betreten wir unser Zimmer im Hotel Adlerbräu in Gunzenhausen - nach 81 Kilometern. |
81 Km
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Freitag,
15.7. |
Heute sollen die Gewitter kommen - es ist aber noch nichts zu sehen.. Im Gegenteil: 33º im Schatten - und von dem ist bis Dietfurt bei Pappenheim nichts zu sehen. Stattdessen eine trostlose Staubpiste längs der Bahn. Lichtblick sind die Güterzüge aus Ingolstadt, die jede Menge neue Audis an uns vorbeitragen. Als weiter (sagt der Hesse) ... wir geraten an das Ende unserer Karte und das Anschlussblatt fehlt uns. Was tut Gott? Mitten auf dem Radweg liegt eine nagelneue wasserdichte Radkarte vom Altmühltal im Wert von 3,95€. Na, was für verlassene Yachten gilt, kann für Radkarten nicht falsch sein. In Treuchtlingen gibt's eine Pause beim Griechen. In Solnhofen grüßen wir den Archæopterix - er hört uns aber nicht, weil er mit seinem iPod spielt und die "Fossilien" von Saint-Saens hört. Wir bebegnen vielen Kanuten. Es wird immer drückender, von Ferne grollt der Donner und mit einem veritablen Endspurt ("Schau Papa: Dene pressiert's a!") erreichen wir ein Bushäuschen in Breitenfurt. Das füllt sich bald mit Dorfjugend aus dem nahen Schwimmbad. Es gewittert ordentlich, was schön ist, wenn man im Trockenen sitzt. Dann lacht die Natur wieder, unschuldig wie immer und wir erreichen Eichstätt mit der katholischen Hochschule und dem Hotel "Schießstätte" hoch über der Stadt. Abends Wein im "Restaurant-Café im Paradeis", Baubeginn 1313. Versüßt durch zwei ebenfalls radelnde junge Damen, die auch schon an der Lahn waren. So können wir fachsimpeln. Wiebke und Arnhild heißen sie und sind Physiotherapeutin bzw. angehende Kollegin im Pädagogenstande. Wer weiß, an der Biegung welchen Flusses man sich wiedersieht? |
74 Km
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Sonnabend,
16.7. |
Keine Gewitter, jedenfalls nicht nördlich der Donau; aber drückend und schwül. Vorbei am Kipfenberg, dem geographischen Mittelpunkt Bayerns, nach Kindling. Da werden gerade die Fahrdrähte der neuen ICE-Strecke ( II-CC-EE!) München-Nürnberg gespannt. In Kindling essen wir zum x-ten Male Pfifferlinge. Danach fällt das Weiterfahren arg schwer. Trotzdem. Modellflugzeugschau in Töging - haben wir Hardy Krüger im Cockpit ausmachen können? Wir sind nicht ganz sicher. In Dietfurt stoßen wir auf den Main-Donau-Kanal und auf die Reste des "Ludwig-Main-Donau-Kanals". Beide sehr eindrucksvoll. An der Schleuse Haidhof beobachten wir, wie enorm schnell die Schleusung eines Schubverbandes, der die ganze Schleusenkammer füllt, vonstatten geht. Und der Niveauunterschied beträgt 8 Meter! In Riedenburg an der Chaussee taten uns die Beine weh, drum sitzen wir nun in einem verkehrsgünstig gelegenen Hotel mit Blick auf den MDK. |
75 Km
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Sonntag,
17.7. |
Mit der MS Altmühlperle gleiten wir fast geräuschlos auf dem MDK dahin, vorbei an der Burg Prunn, wo man im 16. Jh. eine Abschrift des Nibelungenliedes, den "Prunner Codex" gefunden hat. Ab Kelheim an der Donau entlang nach Regensburg. Kaum zu glauben, zu welchen sportlichen Leistungen die Menschen sich bei dieser Hitze aufraffen. Ein Leichtathletikfest für Kinder ist für heute der Höhepunkt. Hotel Münchener Hof (endlich mal Nachtruhe!), Steinofenpizza, Konzert mit Orchester am Singrün und eine mittelalterliche Stadt die uns auf den Gedanken bringt, dass es eine Ehre sei, diese Mauern für eine Weile bewohnen zu dürfen. |
37 Km
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Montag,
18.7. |
Per Post werfen wir Ballast ab, denn nun geht es in den Bayerischen Wald! Der Regentalradweg stellt sich als besonders schön heraus. Hinter Hiersching ist die Brücke über den Fluß im Bau und deshalb gesperrt. Ein freundlicher Landmann beschreibt uns in seinem Idiom, wie man auf verschlungenen Pfaden nach Marienthal kommt. Da wir ihn kaum verstehen, muss er alles zweimal sagen und ringt sich schließlich zwei - drei hochdeutsche Worte ab; nein, eigentlich nur eines: "RE-GEN". Wir darauf, mit schlechtem Gewissen: "Jetzt zwingen wir ihn in die schwere Sprache!" Er: "Jo, genau!!" In Nittenau im Hotel und Brauhaus Jacob haben wir um 3 Uhr nachmittags ein warmes Mahl und Tipps für die Tour bekommen. Im Haus befindet sich eine Privatbrauerei - da hatten wir als Boschfreunde ein gemeinsames Thema. (Die?) Regen ist übrigens keineswegs harmlos: 1,30m stand sie 2002 in der Wirtsstube. Die ist mit Waller resp. Welsköpfen dekoriert. Solche Fische werden sehr groß - 74 Pfund wog ein Prachtexemplar - und sind nicht leicht zu angeln. Man muss sie "drillen", müde machen. Und das kann eine 3/4 Stunde dauern. Es heißt übrigens "Der" Regen!! Gegen 17:30 Uhr erreichen wir Roding - nach einem gnadenlosen Aufstieg, jedenfalls für uns. 15% ist ja selbst für Jan Ulrich "Tierquälerei" (Zitat!) Mittendrin fragt eine Dame nach dem Weg und bietet an, neben uns herzulaufen, bis wir die Antwort herausbringen. Wir sind aber ganz dankbar, dass wir absteigen "müssen" und schieben den Rest. Danach allerdings geht es mit 22% Gefälle zu einer Wallfahrtsgaststätte hinab. Manchmal ist flussaufwärts die bessere Richtung. Apropos: Ich dachte immer, Wallfahrten hätten etwas mit Entbehrungen zu tun. Als Protestant kann man hier was lernen. Dazu passt, was wir gestern im Schaufenster eines Kerzenfabrikanten in Regensburg sahen, nämlich Paul II- und Benedikt XVI-Kerzen. Die mit Paul-Konterfei sind jetzt günstiger zu haben ... In Roding ist Schluß für heute, es dräut ein Gewitter. Pizzeria-Ristorante Bella Italia: Sehr zu empfehlen! Vor dem Schlafengehen setzen wir uns noch mit eingeborenen "schwarzen Krähen" zusammen und führen bierselige Gespräche über die kommenden Wahlen und eine Wurmkur gegen Hörschäden. Wahnsinnig lustig, wenn man fleißig Bier trinkt ... |
62 Km
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Dienstag,
19.7. |
In der Nacht hat es geregnet. Nun ist es kühl und bedeckt. Um 9:30 Uhr sitzen wir im Sattel: wir haben Großes vor. In Cham auf dem Marktplatz mit dem dollen Brunnen gibt's Schokolade, danach folgen wir dem Chambradweg bis zu seinem ausgewiesenen Ende und das liegt in Furth im Wald. Die nette Dame in der Stadtinformation erklärt uns, dass es wirklich einen beschilderten Radweg Regensburg - Pilsen - Prag gibt - den wir "versehentlich" schon befahren - aber noch kein Kartenmaterial dazu. Nach einer Portion Spaghetti melden wir uns bei unseren Söhnen ab und suchen "unsere" Grenze. Die liegt zwischen Eschlkam und Vseruby und wird von einem deutschen und einem tschechischen Beamten bewacht. Sie stehen einträchtig beieinander und erledigen ihren Dienst gemeinsam. Wie anders hat man's in Erinnerung! Die ersten Meter in CZ sind gesäumt von Gartenzwergen, Korbmöbeln und "Liebe rund um die Uhr". Der Kontrast zwischen den letzten deutschen und den ersten tschechischen Dörfern sticht schon ins Auge. Schließlich war hier bis 1990 die Welt zu Ende. Ein kleines Mädchen mit Rollerblades grüßt uns artig ("dobry den") - es war doch nicht alles schlecht ;-) - ansonsten nimmt man von uns keine besondere Notiz. Hin und wieder kommen uns Radler entgegen, die Radwegbeschilderung ist gut, wir können nicht klagen. In Kdyne werden wir im "Cerny Orel" freundlich empfangen, beziehen ein komfortables Appartement für 36€ incl. Frühstück und sind mit uns durchaus zufrieden. Zumal es bis Pilsen noch 67 Km sind. Und das ist doch zu schaffen! |
63 Km
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Mittwoch,
20.7. |
Na klar ist das zu schaffen. Und wie! Es windet kräftig, meistens von hinten. Der Weg ist narrensicher beschildert. E i n Schild haben wir in Merklin allerdings übersehen. Da wir aber niemals umkehren und unsere Karte (Haupka 37) gerade b i s Pilsen reicht, schlagen wir uns durch den Wald (von Zemetice nach Jobekury) und machen den Fehler wieder wett. Der Prospekt des Regensburg-Pilsen-Prag-Radweges beschreibt den Verlauf als "ein bisschen wellig". Das ist schön gesagt. Es gibt kräftige Steigungen, aber mehr Gefälle, weil wir den Böhmerwald herunter kommen. Wir machen auch eine Zeitreise; vieles erinnert an die DDR. Anders als dort wird aber überall gebaut, renoviert und verbessert. Insbesondere scheint das ganze Land soeben neu beschildert worden zu sein. Die Straßen - zumindest die, die wir fahren - tragen als einzige Insignien ihrer Bedeutung Obstbäume. Weitere Markierungen sind nicht zu entdecken. Obwohl die Verkehrsregeln streng sind, scheint dieser Umstand viele Autofahrer zu arg libertärem Umgang mit dem Gaspedal anzuregen.
Pilsen grüßt schon von Weitem mit dem "Skoda"-Schriftzug auf der Autofabrik. Wir haben uns so daran gewöhnt, dass uns Schilder nach "Plzen Centrum" leiten, dass wir nun wie der Ochs vorm Berg dastehen, als das Ziel erreicht ist. Am Rande einer Parkanlage steht stolz das ruhmreiche "Hotel Continental". Ermutigt durch die günstigen Preise in Tschechien fragen wir nach einem Doppelzimmer und bekommen (wieder mal) das letzte freie, allerdings etwas teuerere (74€) Gemach. Aber dann: In diesem Zimmer haben ganz bestimmt schon Stalin, Husak und Honecker und wie sie alle heißen, genächtigt. Es ist in der Zuckerbäckerfassade jenes im ersten Stockwerk in der Mitte mit dem Balkon und dem Fahnenfächer. Von dort konnte man sicher prächtig hervortreten, das Volk vertrösten und den Klassengegner verachten. Es geht auch kürzer: Das Teil sieht aus wie Mielke sein Büro. |
71 Km
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Donnerstag,
21.7. |
What a day! Das mit der narrensicheren Beschilderung nehme ich mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück. Ab Pilsen war alles anders. Begonnen hatte es damit, dass in der Stadtinformation der neue Radweg unbekannt und eine Karte von Pilsens Umgebung nicht erhältlich war. So sind wir am imposanten Eingangstor - einer Art Arc de Triomphe - der berühmten Brauerei vorbeigefahren und haben tatsächlich die gelben "Radweg 3"-Schilder wiedergefunden. Ohne Karte kam es jedoch wie es kommen musste: An einer Gabelung hinter Zabela fehlte das Schild und wir fuhren hinunter nach Chrast statt rechts nach Dysina. Keine gelben Schilder, keine Karte, lauter böhmische Dörfer: wie soll man sich da zurechtfinden? Auf der Tankstelle in Chrast gab's keine Karten und fließendes Tschechisch. Immerhin haben wir die Himmelsrichtung nach Rokycany herausbekommen. Dieser Ort sollte irgendwie in Richtung Prag liegen. Kaum auf dem Rad, kam uns eine fidele Gruppe aus vier radelnden Damen entgegen, die offenbar in die gleiche Falle getappt waren und nach Karlstejn bei Prag wollten. Eine der Damen sprach deutsch. Nachdem wir unsere Irrtümer ausgetauscht hatten, fing sie einen jungen ortskundigen Radler ab, der offenbar die nächsten 100 Km als Wegbeschreibung im Kopf hatte. Toll! So zogen wir zu sechst weiter und waren froh, als wir die gelben Schilder wiederfanden. Eines wies in die Richtung, in der wir unterwegs waren, eines zurück. Natürlich wählten wir das erstere. Ein Erinnerungsfoto gab's zu diesem schönen Erfolg dazu. Nachdem wir nun schon 20 weitere Km auf und ab gestrampelt waren, lag in ganzer Pracht die schöne Stadt Pilsen vor uns und wir kamen durch das Örtchen Zabela mit der rätselhaften Wegegabelung von heute Vormittag. Diesmal nahmen wir den gelben Pfeil der auf die Straße gemalt war als Radwegzeichen und fuhren nach rechts, nämlich nach Dysina, bis zu der Stelle, wo wir das Foto ...und nun nahmen wir den Radweg, der scheinbar zurück führte. Bingo! Aber dann war es bald ganz aus mit der Beschilderung. Immerhin fanden wir Rokycany. Dort haben sie eine sehr kompetente Tourist-Information. Die nette Dame dort druckte uns alle Namen der Orte aus, durch die der offenbar doch nicht ganz fertiggestellte internationale Radwanderweg verlaufen sollte und verkaufte uns noch eine Wanderkarte, die sich als hervorragend erweisen sollte. Nach dem Asia-Imbiss folgten wir nunmehr Wanderzeichen - steinig, aber pittoresk. Weil das aber nicht sehr flott voran ging, wechselten wir auf die Nationalstraße 117. Es ist kaum zu glauben, wie schnell all die alten Donnerbüchsen, die man bei uns gar nicht mehr sieht, fahren können! Gegen 18:30 Uhr erreichten wir Horovice, wo eigentlich für heute Feierabend sein sollte. Susi erklärte aber, sie fühle sich plötzlich so stark und ob wir nicht noch ein bisschen weiter wollten? Nun denn! Dörfer und Städtchen wechselten einander ab, alle ohne Unterkunft. Dafür begann es zu regnen, Kurz und gut: Zwei Stunden später fanden wir in Revnice, einem Vorort von Prag - bei Karlstejn :-) - das letzte (schon wieder!) Zimmer im "Grand Hotel". Das liegt direkt am Bahnhof einer Hauptstrecke und die Gleise führten nur knapp am Fußende unseres Bettes vorbei. Da wir aber schon gewähnt hatten, im Bushäuschen übernachten zu müssen, machte uns das gar nichts aus. Prag, wir kommen - Es sind schlappe 20 Km bis dahin. |
106 Km
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Freitag,
22.7. |
Von wegen 20 Km. Nicht, wenn man (in diesem Falle ausnahmsweise: Mann)glaubt, besser als die Radbeschilderung zu sein. Im Grunde sind wir immer längs des Flusses Berounka gefahren. Nebenbei: An allen Bach- und Flussbrücken stehen Schilder mit mehrstelligen Zahlen, aber nie Namen. Vielleicht will man so - wie 1968 - die potentiellen Invasoren verwirren? Bei uns hat es jedenfalls gewirkt. Zwar haben wir Neubauhäuschen und -Villen ohne Zahl gesehen, dazu prächtige Villen aus der Wende zum 19. Jahrhundert (z.B. die von Karel Lhota, der zusammen mit Adolf Loos die Villa Müller gebaut hat, aber dabei sind wir in eine Sackgasse geraten: rechts die Moldau, links die Autobahn, vor uns Endstation Schrottplatz. Und alle Brücken mehrere Kilometer hinter uns. So muss sich Mose gefühlt haben: Das gelobte Prag konnten wir zwar sehen, aber nicht betreten. Schwacher Trost: Mit uns waren gleich zwei weitere radelnde Paare in die Falle getappt. Die einen haben wir angesprochen und oh Wunder: wir sprachen die gleiche Sprache. Das hat uns zwar nicht weitergeholfen, aber gut, dass wir darüber geredet haben :-) Das besagte Paar hatte gerade den Moldauradweg gemeistert - Respekt! und sich dann - in ihren Worten - vom Radweg "emanzipiert". Sowas ist halt ohne Opfer nicht zu haben. Von der Autobahnbrücke haben wir noch gemeinsam die Mündung der Berounka in die Moldau bewundert. Dann haben wir uns getrennt, um je eine der möglichen Routen zu probieren. Ergebnis: Stunden später haben wir uns in Prag wiedergesehen. Erfolg auf der ganzen Linie! (Unsere Variante bestand aus der Nationalstraße 103 und später dem Radweg 3 ins Zentrum).
Unser Hotel haben wir schnell gefunden. Nach dem Nachmittagsschlaf ein Eis aus der Hand und dann durch ein Menschengewimmel sondergleichen direkt hinein ins Konzert: Nicht ohne meinen Smetana! Danach wollten wir im "King Solomon" essen, das war aber wegen des beginnenden Sabbat ausgebucht. Schade. So sind wir nebenan ins Restaurant Colonial gegangen, haben den letzten (!) Tisch bekommen und das bisher beste Mahl der ganzen Reise genossen. Noch ein Bier in einer netten Kneipe - apropos: ein Bier in Tschechien ist immer ein halber Liter - und die Bettschwere war hergestellt. (Ach, und die gröhlende Bande, die uns den Schlaf geraubt hat, vergessen wir mal schnell). |
41 Km
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Sonnabend,
23.7. |
Den ganzen Tag über stehen auf dem Platz vor unserem Hotel eine Reihe Oldtimer, überwiegend tschechischer Bauart, mit denen man Stadtrundfahrten unternehmen kann. Wir wählen einen Wanderer von 1939 (6 Zylinder, 2,7 Liter, Cabriolet) und tun einen Glücksgriff: gefahren wird er von einem sehr netten jungen Mann der Geschichte und Philosophie studiert, exzellent deutsch spricht, uns kreuz und quer durch die Stadt fährt, erklärt und erklärt und auf jede Frage eine Antwort weiß. Toll! Stichworte: Hus, Wenzel, Karl IV, Josefstadt ... Besonders angetan hat uns die Pariser Straße mit ihren Jugendstilhäusern. Dorthin kehren wir zurück und speisen Muscheln im "Prawda". Noch etwas gelernt: Prag ist ein Tipp für Gourmets! Nach einem ausgedehnten Spaziergang durch das jüdische Viertel (wie gesagt: Sabbat, also alles geschlossen) und durch Läden mit böhmischem Kristall halten wir Mittagsschlaf - den ersten seit drei Wochen :-)
Konzertkarten hatten wir gleich nach dem Frühstück erstanden, deshalb folgt nun der Gang ins Rudolfinum, den schönen Konzertsaal mit der Statue von Antonin Dvorak davor. Es spielt das Jugendsymphonieorchester von Wisconsin Werke von Bernstein, Copland, Humperdinck und natürlich Dvorak. Bessere Botschafter ihres Landes als diese jungen Menschen kann man sich gar nicht vorstellen. Wunderbar. Noch ein Pilsener und eine weitere "italienische" Nacht neigt sich dem Ende zu. Diesmal ungestört ... |
0 Km
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Sonntag,
24.7. |
Strahlend blau lacht der Himmel, als wir um 10 Uhr über die Karlsbrücke zur Kleinseite radeln. Um die Zeit bauen die Musiker, Maler, Bettler und fliegenden Händler ihre Utensilien auf, die ersten Fremdenführer quaken per Headset und Rucksacklautsprecher auf ihre Kundschaft ein und es bleibt gerade noch genug Platz für uns. Der Radweg 2 ist bis Melnik gut beschildert. Er führt zunächst hinauf zur Villa Hanavsky mit dem herrlichen Blick über die Stadt, dann durch ausgedehnte Parkanlagen, in denen die Prager ihren Sonntagsvergnügungen nachgehen und schließlich zum Zoo an der Moldau. Hinter Roztoky wird es abenteuerlich: Das Bett der Moldau liegt tief in den Fels eingeschnitten. Es gibt eine gemauerte Uferbefestigung. Von dort geht es rechts steil nach oben, links drei Meter hinab zum Fluß. Viel mehr als die Mauerkrone und ein kleiner Unkrautstreifen bleibt nicht, um mit dem Rad die nötigen Schlangenlinien zu fahren und zuweilen dem Gegenverkehr auszuweichen. Nicht auszudenken, wenn einer von uns dort hinunterstürzte! Na, wir bringen es hinter uns und zur Belohnung gibt's Pommes und Cola. Welcome back to reality :-) Kurz vor Melnik müssen wir unsere Räder samt Gepäck über die Treppen einer Brücke hieven, die eigentlich nur eine Fernwärmeleitung trägt. Dabei stören wir junge Pärchen, die i h r e m Sonntagsvergnügen nachgehen. Endlich der magische Ort, an dem die Moldau in die Elbe mündet: Endlich s i e h t man mal die Schlußakkorde von Smetanas Begleitmusik. Danach ist es vorbei mit der Radbeschilderung und wir fressen Kilometer auf der Nationalstraße. Auf einer Tankstelle erwerben wir eine "Touristicka Mapa". Ein Zauberwort! Wir finden einen Wanderweg längs der Elbe, der irgendwann plötzlich wieder die gelbe "2" trägt. Was will man mehr. Es ist Abend, die Sonnenblumen leuchten im Gegenlicht, die Angler angeln in der spiegelblanken Elbe und wir wollen noch bis Litomerice/Leitmeritz. Ganz schön weit! Wir legen auf den letzten sieben Kilometern einen Schlussspurt ein. Die Straße fliegt dahin und Überholen mit dem Rad verschaft mehr Befriedigung als mit dem Auto! Das erste Haus am Platze in Leitmeritz ist das "Salva Guarda". Da ziehen wir ein, essen in Folie gedünsteten Zander und trinken Traminer von der Elbe dazu. Köstlich. |
110 Km
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Montag,
25.7. |
In der Nacht hat es geregnet. Die allerletzten Tropfen rechtfertigen aber kein Regencape und im Laufe des Tages wird das Wetter immer besser. Zunächst führt der Weg aber durch aufgeweichte Pfade, die zu den guten Angelgründen führen und uns zum Absteigen zwingen, wenn wir nicht stürzen wollen. Bis Usti nad Labem, dem früheren Aussig, gibt es dann einen ordentlichen Radweg längs der Eisenbahnlinie durch's Elbtal mit Aussicht auf riesige Steinbrüche. In Usti werden wir an der Elbschleuse aufgefordert, unsere Packesel mal wieder durch ein großes Treppenhaus bis hoch über die Elbe zu tragen. Seltsam. Noch seltsamer, dass am anderen Ufer die "2" nicht mehr zu finden ist. Wir wissen aber, dass die neuen Radwege oft den älteren Wanderwegsbeschilderungen folgen und vertrauen dem gelben Balken, pbwohl er elbaufwärts weist. Ein Fehler. Weil aber nicht sein kann was nicht sein darf, schieben wir die Räder einen mörderlichen Steilhang hinauf, besichtigen, weil wir dauernd stehenbleiben müssen, feinste Villen in Hanglage und stellen entgeistert fest, dass der gelbe Balken diesmal wirklich dem Wanderer gilt, der offenbar auch noch in die Wand des Elbsandsteingebirges steigen möchte. Das lassen wir lieber. Da wir aber niemals umkehren, fahren wir einen steilen, unbefestigten Weg hinab, d.h. wir rutschen eher, als das wir fahren und statt in Villen sind die Anlieger nun eher in Behausungen der Marke "Lebenskünstler" untergekommen. Schadhafte Zäune und und recht unfreundliche Hunde bewachen das Ganze. Das Pfefferspray von Schwager Kalle in der Hand kommt zwar nicht zum Einsatz, beruhigt aber ungemein. Fast überflüssig zu erwähnen, dass wir exakt an der Schleuse landen, die wir eine Stunde zuvor und jede Menge vergossenen Schweißes schwerer verlassen hatten. Niemals ohne Karte! Das haben wir nun endlich eingesehen. Um den Zeitverlust wettzumachen, gibt es nur Sandwiches von der Tankstelle und öde Landstraße statt lauschiger Wanderwege. So erreichen wir Decin/ Tetschen mit den großen Verladekais und der imposanten Sandsteinkulisse. Links der Elbe läuft unser Weg kilometerlang über Betonplatten und Deichbefestigungen aus Rauhpflaster. Wie gut, dass wir vor Fahrtbeginn beim Zahnarzt waren ;-) Dann nähern wir uns der Grenze, erkennbar an Häusern die mit Herzen und roten Lippen geschmückt sind. Die Grenze selbst begeistert uns: Sie besteht aus einem ovalen tschechischen Staatswappen einerseits und einem Schaukasten der deutschen Zollbehörde andererseits. Darin ein Schreiben, das mitteilt, dass es seit dem 1.5.2004 keine Zollkontrollen mehr gibt. Schön. Rechts der Elbe ist noch Tschechien, und ein paar Kilometer weiter sehen wir am anderen Ufer den Autoübergang, der für uns nur den Rang einer Sehenswürdigkeit hat. In Bad Schandau finden wir, was wir erhofft hatten: Erstens einen guten Schlafplatz, nämlich das Hotel Sigl, zweitens eine Schiffsverbindung mit der Sächsischen Dampfschifffahrt nach Dresden. |
81 Km
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Dienstag,
26.7. |
Die Schiffsreise durch die Sächsische Schweiz bei Würstchen und Salat und bestem Wetter ist höchst komfortabel und erholsam. Schon vom Schiff aus melden wir uns im "Martha Hospiz" an. Dort wird auch unsere high-tech-Funktionskleidung gewaschen .... Ein Kontrollgang zeigt, dass sich "unsere" Frauenkircheder Fertigstellung nähert und dass der Neumarkt mit seiner dem alten Straßennetz folgenden Bebauung deutliche Gestalt annimmt. Noch ein Wunder: Manchmal wünscht man sich, ein hässliches Gebäude würde einfach verschwinden. Wie oft haben wir das angesichts des Dresdener Polizeipräsidiums gedacht. Dieser Wunsch ist Wirklichkeit geworden - spurlos. Das "Dinner for Two" im "Rossini" am runden Tisch, um den unablässig zwei junge Bediendamen kreisen (some fru-it?) ist fast zu perfekt.Den Abschluss des Tages bildet der Besuch des Elbuferkinos. Wir sehen einen Dokumentarfilm über das Leben der Kaiserpinguine. Zwischendurch schweift das Auge über die berühmte Dresdner Stadtsilhouette. |
43 Km
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Mittwoch,
27.7. |
Der Tag beginnt mit einer weiteren Dampferfahrt, wieder mit einem alten Schaufelraddampfer, elbabwärts nach Meißen und bis zur Endstation Seußlitz. In der hübschen Weinstube Lehmann's (ich kann nichts dafür!) steigen wir in unsere Strampelhosen und folgen dem Elberadweg, der hier nicht nur schön ausgebaut ist, sondern auch noch Sehenswürdigkeiten wie die ehemalige Furt der "Hohen Straße" an seinen Rändern erklärt. In der Höhe von Strehla bleiben wir rechtselbisch, es geht durch einen Auenwald nach Mühlberg. Es wird immer wärmer und wir tanken Apfelschorle. Der Weg nach Brottewitz ist ganz einfach zu finden, heißt es - wir landen aber wiedermal in einer Kiesgrube und geraten anschließend nach Altenau. Aber alles hat sein Gutes: Wir passieren ein Schild, das zum Speziallager Nr.1 des NKWD von 1945-48 weist. In so einem Lager hat mein Großvater die letzten Tage seines Lebens verbringen müssen. Unser Ziel ist Falkenberg, das Hotel Kronprinz hält ein Zimmer für uns frei. Unsere Karte zeigt einen Weg dorthin, der fast der Luftlinie folgt. Den wollen wir auch nehmen, stoßen aber auf ein fest verschlossenes Tor nebst Zaun aus doppeltem Stacheldraht.Dahinter eine zugewucherte Allee, die neugierig macht. Wir radeln rechts am Zaun entlang, bis wir eine Lücke entdecken. Obwohl das Land Brandenburg das Betreten ausdrücklich nicht empfiehlt, stoßen wir in die nämliche Lücke und finden uns auf einem ehemaligen Militärflugplatz riesigen Ausmaßes wieder. In der Ferne sehen wir ein Auto offenbar Patrouille fahren und wähnen uns kurz vor der Verhaftung. Es ist aber nur eine Fahrschule, die auf der runway Bremsmanöver übt. Auf dem taxiway geht es tatsächlich nach Falkenberg an der Elster und wir können in "unser" Zimmer von vor zwei Jahren im "Kronprinzen" einziehen. Sehr angenehm. In der Nacht gewittert es ordentlich. Nach dem Frühstück ist, wie es sich gehört, alles vorbei. Allerdings sollen es heute 35º im Schatten werden! |
67 Km
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Donnerstag,
28.7. |
"Zander in Folie gedünstet" - aus der Sicht des Zanders. So etwa war unsere Nacht in Kloster Zinna. Wobei wir die Wahl hatten: Folie auf - dann beißen die Mücken - Folie zu - wer schneller stirbt, ist länger tot, nämlich überhitzt und erstickt. So ging dieser Tag zu Ende und ich schreibe dieses schon am nächsten Morgen nach der Dusche (nebbich). Wir haben auch das überlebt. Dabei begann der vergangene Tag schon nicht so leicht. Auf der Karte sah der Weg von Falkenberg nach Zinna leicht aus: wie mit dem Lineal gezogen. Praktisch stießen wir mal wieder auf die Grenzen der Kartographie sowie auf ein Schild mit der schönen Aufschrift "TRÜPL". Truppenübungsplatz - na, und? Wir fuhren weiter bis zu dem Schaukasten, in dem die Pläne für die Schießübungen aushingen. Do., 27.7.05, 7:30-17:30. Tja. Dann fahren wir eben drumherum. In solchen Gegenden taugt aber die Karte keinen Pfifferling. Wir fanden viele DDR-Militärhinterlassenschaften, eine überwucherte Panzerverladerampe und Betonplattenwege, die kreuz und die quer durch den Wald liefen und uns bald jede Orientierung raubten. Zum Schluss waren wir froh, überhaupt irgendwo herauszukommen. Das war ein Waldweg, an dem eine Stromleitung - offenbar für ein Gehöft - entlanglief. Links oder rechts? Links, denn wir wollen nach Norden und die Sonne steht im Süden. An einer Bahnlinie - welcher bloß? - eine Schranke mit der Aufschrift "ENDE" und ein ehemaliges, nun privat genutztes Schrankenwärterhäuschen, dem die Aufschrift abhanden gekommen ist. Wir kehren niemals um. Längs der Bahnlinie wieder der Truppenübungsplatz, daneben ein Biotop, das den ehemaligen Weg, dessen Befestigung längst entfernt worden ist, bilderbuchreif zurückerobert hat. Da finden sich nun kleine Teiche und Büsche und Bäume liegen quer darüber. Da schlagen wir uns durch. Den Schreiber dieser Zeilen beschleicht der seltsame Gedanke - wiewohl nie beim Bund gewesen - dass mein Ausbilder auf mich stolz gewesen wäre. (Vermutlich inspiriert durch Sven Regeners "Neue Vahr Süd" :-) Lohn der Mühe: Eine große, weite, sumpfige Wiese, umgeben von einem Wassergraben, dahinter ein Hochwasserschutzdeich, dahinter die Schwarze Elster. Und ein Hochsitz. Also muß schon mal jemand vor uns hier gewesen sein. Und tatsächlich finden wir den glitschigen angefaulten Steg, den der Jägersmann benutzt, um den Graben zu überwinden, der ihn von seinem Arbeitsplatz trennt.Oben auf dem Deich sehen wir auch die hellblaue Eisenbahnbrücke, die wir beim letzten Queren der Schienen in der Ferne ausgemacht hatten. Ein Fußweg führt darüber, der zwar kein Woher und Wohin kennt, aber das ist uns egal. Ein paar Meter noch auf dem Deich am anderen Ufer und wir finden den Zugangsweg zum Ort Premsendorf. Wir sind dreckig, erschöpft, zerkratzt, zerstochen - aber gerettet; und sogar unserem Ziel nähergekommen. Der Rest des Weges über Jüterbog nach Kloster Zinna ist zwar heiß, aber ohne weitere Herausforderung. Ach ja: der Imbiss in Schweinitz direkt an der B 187 war toll und dringend nötig. |
75 Km
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Freitag,
29.7. |
Es ist 15:00 Uhr, wir sitzen beim Pflaumenkuchen in Berlin-Wannsee, hören die CD mit dem "Original Prag Syncopated Orchestra", die wir auf der Karlsbrücke von den genannten Künstlern erstanden hatten und es beschleicht uns eine gewisse Wehmut: Die Reise, die uns unglaublich groß, und ihr Gelingen durchaus im Ungewissen erschienen war, liegt nun hinter uns und ist gewissermaßen gestorben. Nur in der Erinnerung und in den Bildern lebt sie weiter. Noch ein letzter Bericht im alten Ton: Das Wetter heute morgen war längst nicht so bedrohlich, wie die avisierten 38º erwarten lassen konnten. Zwar floss der Schweiß in Strömen, aber ab Löwendorf - wo es Kaiserschmarrn gab :-) - mischten sich Regentropfen dazu und es donnerte und blitzte bis zum Schluß. Aber der Reihe nach: Von Zinna nach Luckenwalde folgten wir der ehemaligen Landstraße, die nun ein Waldweg mit Alleebäumen ist. Das dazu gehörige alte Zeitmaß wurde uns schön anschaulich, als wir in Luckenwalde ein Pferdefuhrwerk überholten.Weiter gings über Ruhlsdorf, Liebätz, Martensmühle, Löwendorf. Alles Orte, die in etwa dem Lauf der Nuthe, dem vorletzten der uns begleitenden Flüsse, folgen. Nach Blankensee kommt man über Glau. Seit die russische Kaserne geräumt ist und wieder "Friedensstadt" sein darf, geht es sogar wieder auf der alten Chaussee, die jahrzehntelang gesperrt war. Am Grössinsee passieren wir einen großen Filmtross, der vermutlich nicht von dem ständig dräuenden Gewitter begeistert war. Ein Feldweg längs der Nuthe bringt uns nach Gröben. Die Verlängerung der Straße nach Fahlhorst war wohl vor langer Zeit auch eine Straße, jetzt aber ist sie nur noch ein Pfad, der die Erinnerung an unsere Abenteuer von vorgestern weckt. Rechts ab zum großen Kreisel, Ausfahrt Drewitz. Den Weg kennen wir schon von unseren Tagestouren. Parallel zur Autobahn Richtung Zehlendorfer Kleeblatt; eine Brücke bringt uns ins Potsdamer Wohngebiet "Stern". Von da ist es ein Katzensprung zum Babelsberger Filmpark. Am Bahnhof Griebnitzsee vorbei, links unter uns am Teltowkanal die Söhnelwerft in Kohlhasenbrück, ein Wäldchen, und schon sind wir in Wannsee, genauer im "Dorf", dem alten Stolpe. Pflaumenkuchen in der Konditorei Meyer kaufen, die Räder, denen - anders als uns - nie die Luft ausgegangen ist, in den Schuppen stellen - we've landed. |
60 Km
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| 90 Flußkilometer nicht mitgerechnet: |
Total: 1476 Km |