Radtour Bad Laasphe-Berlin 2002 Felix&Susi




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Mo., 22.7. Bei durchwachsener kühl-feuchter Witterung per Bahn von Bad Laasphe nach Marburg (Diese Strecke kennen wir nun auswendig). Von dort folgen wir dem Lahnradweg am Weimarer See vorbei, erwerben eine Schachtel Susinen in Frohnhausen. 7 Km vor Gießen über Buseck gen Osten auf dem R7. Ab hier und für den Rest der Tour streikt der Freilauf an Susis Rad. Pedale drehen sich ständig mit und die Kette schlägt. Und keiner kann es reparieren :-(
Feierabend in Grünberg. Stadtschänke. An den Nebentischen deutsch-französische Handelsgespräche („So könnt ihr das nicht machen!“) und deutscher Stammtisch („Adolf!“ „Fußfesseln!!“)
54 Km
Di., 23.7 R7 nicht gefunden, Umweg über Lauter - aber schön - Richtung Ulrichstein. Liegt 550m hoch. Die Dörfer ducken sich im Tal, die Straße führt über die Höhen. Ein Sportsmann, den wir beim Kartenstudium treffen, sagt, er wolle morgen auf dem Brocken sein. Dann ist er verschwunden. Bei der Rast in Ulrichstein treffen wir ihn aber wieder - d.h. wir sitzen und sehen ihn kommen ... Buntes Markttreiben, sehr freundliche Wegweisung durch die Einheimischen (wie übrigens auf der gesamten Tour). Die letzten 20 Km nach Lauterbach im Vogelsberg fast luxuriös,sehr schön, z.T. auf einer ehemaligen Bahnstrecke geführt. Ringhotel Schubert. Edel. Essen im „Entennest“, einem ehemaligen Leineweberhäuschen an der Lauter. Sehr romantisch. 49 Km
Mi., 24.7. Fahrrad Jacob kann den Fehler auch nicht ambulant beheben. Sehr freundlich und hilfsbereit. Schöne bequeme Radstrecke über ehemalige Bahnstrecke. Schlitz (Schloßpark), R7a, dann längs der Fulda R1 an Bad Hersfeld vorbei nach Rotenburg an der Fulda. Ein Fachwerktraum. Es regnet in Strömen und das erste Hotel, das uns begegnet und uns Einlaß gewährt ist eine Mischung aus Historie und Sperrmüll. Aber preiswert und verkehrsgünstig gelegen, auch nachts :-( Hätte es nicht so geregnet, wären wir dort gar nicht abgestiegen, sondern noch weiter in die falsche Richtung geradelt. So müssen wir morgen 7 Km zurück. 73 Km
Do., 25.7. Nacht überstanden, Wettervorhersage 20º, Schauer. Stimmt aber - jedenfalls für uns - nicht. Ideale Bedingungen. Unter den Eisenbahnbrücken Bebras hindurch, über Rohnshausen nach Höhnebach (wo bis zur Wende die Autobahn endete), Kleinensee mit Grenzdenkmal, Dankmarshausen, Gerstungen, Hörschel (dort beginnt der Rennsteig). Rast in Wilhelmsglücksbrunn. Creuzburg. Schloßbesichtigung und Ü/F im Schloßhotel. Sehr schön. Schon mal Saale/Unstrut-Wein getrunken wegen morgen. Seit 15.3.2002 gehört das Hotel einer Creuzburgerin, die in der Schloßruine als Kind gespielt hat, gleich nach der Wende in aller Welt Hotellerie-Erfahrungen gesammelt hat und nun zurückgekehrt ist. 62 Km
Fr., 26.7. Ab morgen soll der Sommer ausbrechen. Hoffentlich hört es bald auf zu nieseln. Bis Mihla auf dem Werratalradweg. Steiler Aufstieg über den Hainich. Nieselregen, steil, steiniger Grund. Zwischen Kammerforst und Flarchheim sehr tiefe Pfützen mit im trüben Wasser verborgenen Steinen - wir mussten nicht einmal absteigen. Schwein gehabt. Riesige Felder, weite Blicke ins Thüringer Land. Denkmal für abgestürzten Piloten der Luftbrücke: Lt. R.C. Stephens, † 1949 bei Großengottern. Rast in der Schloßkonditorei in Bad Langensalza. Rosengarten. Wildromantischer Radweg längs der Unstrut über Nägelstedt, Klein Vargula, Herbsleben (auf dem schönen neuen Ortsausgangsschild steht, es ginge dort nach Döllstedt - geht aber doch nach Herbsleben. Wirklich. Zwischen vielen ausgedehnten Fischgewässern, in der Karte nicht zu finden, nach Ballhausen. Auf einheimischen Rat nicht den LPG-Weg, sondern die B176 nach Schwerstädt genommen. Und überlebt. Über Gangloffsömmern den alten Postweg nach Weissensee. Hotel Promenadenhof. Stadtmauer, Runneburg. Schön. 88 Km
 Sa., 27.7. Endlich Sommer. Ein Salatgärtner lotst uns auf den richtigen Weg. Scherndorf, Waltersdorf, Thomas-Müntzer-Siedlung. Die muß früher anders geheißen haben. Großes, halb verfallenes Gut, DDR-Kulisse. Griefstedt. Endloser Feldweg längs der Lache(?). Tip vom Mistbauern. War gut!. Hunderte freilaufender badender Gänse. Friedlich, aber wachsam. Vereinzelt Wegweiser "Unstrut-Radwanderweg". Noch allzu lückenhaft. Büchel, Etzleben, Gorsleben, Sachsenburg. Thüringer Pforte durch die Hainlaite, bewacht durch zwei Burgen. Bretleben. Ganz neu hergerichteter Radweg "U" wie Unstrut-Radwanderweg nach Artern. Inzwischen heiß. Getränke und Baguette an Tankstelle in Artern gekauft. Ein einheimischer Radwanderer, der uns schon einmal gesehen und wiedererkannt hat, führt uns dort hin. Auf ehemaliger Bahnstrecke zum Ortsausgang Artern (vermutlich ein ziemlicher Umweg). Auf stark befahrener Straße nach Kalbsrieth. Rast in Heyendorf am Friedhof. Endlich Schatten. Weiter nach Mönchpfiffel-Nikolausrieth, Allstedt. Aufstieg zur dortigen Burg. Wegweiser zum Schloßcafé. An einem Sommersonnabend um 17 Uhr geschlossen. Wie früher. Aber die Sportlerklause nebenan - Bauart Grenzbaracke - hat geöffnet. Osterhausen, auf fast fertig gestellter B 180 neu vor Rothenschirmbach Richtung Eisleben. Kurz vor dem Ziel die alte B 180 wegen "Erdfall" gesperrt, und zwar gründlich. Aber für uns kein Problem ... Park-Hotel Eisleben, Familienbesitz auch zu DDR-Zeiten, preiswert und gut. Griechisches Resaurant "Metaxa" unter freiem Himmel, Altstadtspaziergang. 83 Km
 So., 28.7. Heiß! Durchs Mansfelder Land, Abraumhalden vom Kupferbergbau, lange aufgegeben. Langer Aufstieg nach Polleben (hier lebt die DDR noch: Marx, Engels, Thälmann, POS ..). Heiligenthal, Friedeburger Hütte. Dort "Kornflaschen": Lagerbehälter für Getreide nach der Mißernte 1848 (?). Adendorf, Friedeburg. Rast im Hof einer Gaststätte. Bericht des Wirtes: Schlechte Zeiten, die Jugendlichen wandern ab nach Bayern und Baden-Württemberg. Feldweg längs der Saale, Schleuse Rothenburg (?), in Könnern Saaleradweg verloren, daher auf der B6 nach Alsleben. Rast in der "Radstation". Saaleradweg durch viel Natur, teilweise auch im Schatten! vorbei an Plötzkau mit eindrucksvollem Schloß nach Bernburg. Schön herausgeputzt, moderne Industrie (Solvay). Unsere Radkarte ist hier zu Ende. Wir treffen aber auf den Europaradweg R1 und folgem ihm in die vermeintlich richtige Richtung. Nienburg, langer Feldweg nach Neugattersleben, am Schloß vorbei durch den kilometerlangen Schloßpark, an dessen Ende Hohenerxleben liegt: Ein weiteres Schloss, ursprünglich derer von Krosigk, jetzt im Wiederaufbau. Wir sind die einzigen Gäste, wohnen in der Antoniussuite und werden fürstlich umsorgt. Vielen Dank! 79 Km
 Mo., 29.7. Heißer!! Brumby (um nicht nach Bernburg zurückradeln zu müssen), Calbe. Saaleradweg nicht zu finden, daher Landstraße nach Barby, Gierfähre hinüber nach Ronney. Dort lange Rast im Fährhaus. Der Wirt ist Musiker erzählt von den alten Zeiten: Selbstgedrechselte Schlagzeugstöcke aus West-Besenstielen, Drohung mit Entzug der "Spielerlaubnis"(!) noch 1988. Zerbst - ein seltsamer Anblick. Stadtmauer und angrenzende Gebäude historisch, die Innenstadt besteht aus Wohnblocks. Kriegsfolge. Dobritz, Reuden, Reetz. In Reetzerhütten folgen wir dem Wegweiser zum Hotel "Forsthaus Alte Hölle" mitten im tiefen Wald ... Idylle pur. Hotelzimmer noch auf "Weltniveau" - bis auf die quietschenden Betten ... Die ungarische Chefin auf unseren Bericht von geschlossenen Gasthäusern am Wege: "Was? Wir haben schon seit zwölf Jahren keinen Ruhetag!"  74 Km
 Di., 30.7. Noch heißer!!! Durch den Mahlsand (wie noch oft an diesem Tag) über Neuehütten, Schlamau nach Schmerwitz. Gut Schmerwitz mit Herrenhaus - prächtig und vergammelt - und hunderten von Schweinen im Freien. Verblasster Stolz: "DDR 1978-1989". Ab Hagelberg Europawanderweg E11 Nordsee-Fläming-Masuren. Hier letzte Schlacht der Befreiungskriege gegen die Franzosen. In Belzig im "Intermarché" (sic!) Proviant: Pfirsiche, Kekse, Eistee (HaHa). Bis Brück auf der B246, Dann "Abkürzung" durchs militärische Sperrgebiet nach Borkwalde. Orientierung nur nach Sonnenstand möglich. Die Karte hatte außer roter Schraffur nichts zu bieten. Susi hat die Bahnlinie als Zufahrt zur Kaserne identifiziert. Glück gehabt. Sandweg (s.o.) von Busendorf nach Ferch. Petzow, Geltow. B1 nach Potsdam. Letzte Rast im "Froschkasten". Babelsberg. Familientreffen im "Salina" in Berlin-Wannsee, Bezirk Steglitz-Zehlendorf.  76 Km


Zusammengenommen waren das 638 Km, die "es" gebracht haben. Und wir auch.